Schule

Warum wir auf die Freie Aktive Schule in Stuttgart gewechselt haben

Schulwechsel: Warum wir gewechselt haben

Immer wieder kommen bei uns auch Gastautoren zu Wort. Hier schreibt Elisabeth Kuveke – Mutter von 2 Kindern, gelernte Karosseriebaumeisterin und Erzieherin – warum ihre Kinder von einer staatlichen Schule an die Freie Aktive Schule Stuttgart (FAS) gewechselt haben. Und wie es ihnen nun einige Wochen nach Schulstart damit geht:

Meine Kinder sind 10 und 8 Jahre alt und haben im September von einer staatlichen Grundschule auf die FAS gewechselt. Weil der Weg von Ludwigsburg nach Degerloch weit und noch ungewohnt für sie war, habe ich mich entschieden die erste Woche mitzufahren. In den Vormittagsstunden half ich in der Küche mit aus. So hatte ich zwischendurch immer wieder die Möglichkeit mich in den Hof zu setzen und das Geschehen einfach zu beobachten. Ich hatte also das große Glück die Atmosphäre an dieser Schule eine Woche lang zu beobachten, zu spüren und kennenzulernen.

Überall emsiges Treiben oder entspannte Ruhe

Was mir aufgefallen ist: Lauter „geschäftige“ Kinder, die ganz verschiedene Dinge zu tun haben. Diese Dinge müssen sie aber nicht tun, sondern sie haben selbst entschieden, dass sie es möchten. Ich habe Kinder gesehen, die Bretterbuden bauten. Manche spielten Fußball, andere balancierten auf einem Brett hin und her. Eine Gruppe von jüngeren Mädchen baute eine Landschaft für ihre Schleichtiere auf. Zwei Jungs spielten regelmäßig Autowerkstatt, andere kletterten auf dem Klettergerüst und unterhielten sich über irgendetwas. Ein größeres Mädchen spielte Gitarre.

Was in den Gebäuden stattfand, habe ich mir erzählen lassen: Viele Kinder sind in der Kreativwerkstatt dabei, sehr konzentriert verschiedene Dinge herzustellen. Die Holzwerkstatt ist gut besucht. In einem Raum gibt es Montessori-Lernmaterial, wo sich auch immer viele Kinder aufhalten und beschäftigen. Die größeren Kinder sind dabei sich Pläne zu erstellen, mit welchen Themen sie sich in den nächsten Wochen beschäftigen möchten. Und die ganz Großen bereiten sich in Gruppen auf ihre Schulabschlüsse vor. Sicher habe ich vieles nicht mitbekommen. Fakt ist, es herrscht überall ein emsiges Treiben und an anderen Stellen entspannte Ruhe. Was sehr deutlich spürbar und sichtbar ist: Dass sich die Kinder ihrer Sache sicher sind.

Sind meine Kinder mit 6 Jahren schulreif?

Bei mir zu Hause werde ich jetzt manchmal ganz verwundert gefragt: „Ja geht das? Lernen die denn da was?“ Diese Fragen sind natürlich ganz verständlich, wenn man noch nie davon gehört hat, dass Lesen, Schreiben, Rechnen lernen auch ganz anders vollzogen werden kann, als wir es von unseren normalen Schulen kennen. Schon als meine Kinder noch klein waren, hegte ich große Zweifel an der üblichen Meinung, dass man Kinder ab einem bestimmten Alter erziehen und belehren müsste. Ich begann viel zu recherchieren und fand wunderbare Literatur über Achtsamkeit, Gewaltfreie Kommunikation und entdeckte den Verein „Mit Kindern wachsen“. Dieser Stil – Kinder im Leben zu begleiten – sprach mich mehr an, als das, was ich bisher kannte.

Es passte auch vollkommen zu meinen Beobachtungen bei meinen eigenen Kindern. Ich sah, dass sie vieles wie von selbst lernten. Auch die Zeitpunkte, wann sie etwas begannen, waren teilweise extrem unterschiedlich. Zum Beispiel begann eins mit 10, das andere mit 17 Monaten zu laufen. Eins interessierte sich schon mit 4,5 Jahren für Buchstaben und begann zu lesen, das andere hat erst mit 9 Jahren angefangen Texte freiwillig zu lesen. Deshalb entwickelten sich bei mir auch große Bedenken, dass das 7. Lebensjahr angeblich für alle Kinder das richtige Alter sein sollte, um in die Schule zu gehen.

Gesucht: Eine Schule mit mehr Spielraum

Da mein Mann und ich keine Schule fanden, die den Kindern mehr Spielraum lässt, versuchten wir es auf einer staatlichen Grundschule. Das klappte dann aber überhaupt nicht. Unsere Kinder sind einfach zu eigenständig. Sie verrichten nicht einfach irgendwelche Arbeiten, die von ihnen verlangt werden, in denen sie aber keinen Sinn sehen. Und wir Eltern konnten nicht vertreten, sie zu Lerntätigkeiten zu zwingen, die sie nicht tun wollten oder konnten.

Weil uns diese Widersprüche zwischen dem, was wir bei unseren Kindern wahrnahmen und dem, was von ihnen verlangt wurde, so sehr plagten, begannen wir uns mit alternativen Bildungsformen zu beschäftigen. Irgendwann hatten wir so viel Wissen gesammelt, dass wir beschlossen neue Wege zu gehen.

Das Konzept der Freien Aktiven Schule Stuttgart sagte uns sehr zu, so dass wir uns dort bewarben. Unsere Hoffnungen einen Platz für unsere Kinder zu bekommen schienen zwar ziemlich gering, aber wir versuchten es. Die vielen Berichte und Erzählungen von ehemaligen SchülerInnen, Eltern und LernbegleiterInnen im Laufe des Aufnahmeverfahrens gaben uns dann die absolute Überzeugung, dass das ein guter Ort für unsere Kinder wäre. Und tatsächlich, wir hatten das große Glück aufgenommen zu werden.

Glücklich gewechselt

Fast jeden Nachmitttag kommen sie jetzt, nachdem sie die Schule gewechselt haben, nach Hause und sprudeln wie wild und erzählen, was sie alles gemacht haben. Und manchmal sind sie ganz still und verziehen sich in ihre Zimmer und scheinen das Viele, das sie erlebt haben, zu verarbeiten. Wir sind richtig froh, dass wir jetzt einen Ort für unsere Kinder gefunden haben, an dem sie sich entfalten dürfen. Maria Montessori sagte einmal: „Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“

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