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Laternenlicht, verlösch mir nicht! Rabimmel, Rabammel, RaBUMM!

Laternenlicht, verlösch mir nicht!

Es ist Herbst und mit November kommt die Zeit der Martinsumzüge. Bunte Laternen bringen Licht in die Dunkelheit. Das Laternenlicht ist Ausdruck für die strahlende Botschaft der Nächstenliebe des heiligen Martin. Unser Kind hat auch in diesem Jahr wieder eine Laterne gebastelt. Stundenlang wurde gemalt, geschnitten und geklebt, der Laternenstab geschnitzt, aus Draht eine Aufhängevorrichtung gebogen sowie eine Wachskerze gesucht und zurechtgestutzt.

Wie das Chaos einen beschaulichen Laternenlauf regieren kann

Am Martinstag ist es endlich so weit und wir gehen zum traditionellen Martinsumzug mit Ross und Reiter hier bei uns in der Stadt. Mit Stolz wird die selbstgemachte Laterne getragen und die Kerze angezündet. Warmes Laternenlicht erhellt das Dunkel und wir erfreuen uns alle daran. Vorsichtig und verantwortungsvoll trägt unser Kind seit seinem dritten Lebensjahr die Laterne während des Umzugs. Es ist ruhig und in seine Aufgabe vertieft, es ist ihm anzusehen dass es sich der Verantwortung, die eine brennende Kerze in einer Laterne aus Papier mit sich bringt, bewusst ist.

Direkt neben uns ist während des Martinsspiels ein wilder Elektro-Laternen-Weitschleuder-Wettkampf ausgebrochen. Statt zu singen und der Geschichte zu lauschen, hauen sich die Kinder mit ihren elektrisch glimmenden Laternen gegenseitig auf den Kopf. Von Ruhe, Besinnlichkeit und Verantwortung ist nichts zu spüren. Würden sich die Kinder genauso verhalten, wenn sie ebenfalls echte Kerzen in ihren Laternen hätten?

Warum echte Wachskerzen so wichtig sind

Unser Kind soll, ganz im Sinne Maria Montessoris, zu einem eigenständigen und selbstverantwortlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen heranreifen. Selbständigkeit kann sich nur im Tun entwickeln, Eigenverantwortung muss erfahren werden. Kinder sollen Vertrauen in den eigenen Weg haben und die Bereitschaft Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Wir Erwachsene müssen dafür sorgen, dass Kinder in ihrem Umfeld viele Möglichkeiten haben, Sinnes- und Bewegungserfahrungen jeglicher Art zu machen. Mit der brennenden Wachskerze in der Laterne zeigen wir unserem Kind, dass wir Vertrauen in es und in sein Tun haben. Wir geben ihm das Bewusstsein, dass es dieser Aufgabe gewachsen ist und stärken sein Selbstbewusstsein.

Unser Kind vertieft sich ganz in seine Aufgabe das Laternenlicht zu tragen, taucht ganz ein in diese Tätigkeit. Wenn Kinder bei ihrer selbstgewählten Tätigkeit sich voller Aufmerksamkeit hingeben und die Welt erforschen, so eignen sie sich nicht nur Wissen an, sondern sie gewinnen auch Vertrauen in ihre Fähigkeiten; es entsteht ein positives Selbstwertgefühl, ein gesundes Selbstbewusstsein. Wirkliches, nachhaltiges Lernen findet nur dort statt, wo wir mit dem Herzen dabei sind, wo innerliche Beteiligung stattfindet, wo Dinge erlebt, erfahren und damit begriffen werden. Mit einer elektrisch beleuchteten Laterne wird den Kindern die Möglichkeit genommen ihren ganz persönlichen Erfahrungsschatz zu erweitern.

Und wenn die Laterne Feuer fängt?

Bewegung und sinnliche Wahrnehmung stellen für das Kind den Zugang zur Welt dar. Diese Erfahrungen sind die Grundlagen kindlichen Handelns und bilden die Basis jeglichen Lernens. Das Kind erforscht, erobert und begreift mit allen Sinnen seine Umgebung. Eine Laterne, die Feuer fängt, zeigt dem Kind, dass bestimmte Handlungen bestimmte Konsequenzen haben. Und hat nebenbei den großen Vorteil, dass man im nächsten Jahr wieder eine neue Laterne basteln kann!

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