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FAS-Fundstück: Was wird aus Kindern, die ohne Schule lernen?

Lernen ohne Schule?

Was wird aus Kindern, die nicht in einer Regelschule, sondern nach ihrem eigenen Rhythmus lernen? Das SZ-Magazin hat bereits vor einigen Jahren über drei Jungs berichtet – genauer gesagt Männer waren sie damals schon. Die drei Brüder Juri, Immanuel und Semjon waren zum Zeitpunkt des Artikels 25, 23 und 21 Jahre alt. Ihre Mutter hatte ihnen in ihrer Kindheit einige Jahre des freien Lernens ohne Schule erkämpft – nicht immer ganz legal. Wie genau die Geschichte war, kann man in dem Artikel nachlesen.

Extrembeispiel Freilerner

Natürlich, die drei Jungs sind ein extremes Beispiel. Auch haben sie nicht komplett ohne Schule gelernt, sondern sind irgendwann auf eine staatliche Schule gegangen. Sehr beeindruckend fand ich dabei die Geschwindigkeit, in der sie die anderen Kinder eingeholt hatten. Die Wissenslücken waren innerhalb weniger Wochen nachgeholt. Die Brüder konnten nach dem Einstieg auf die Hauptschule innerhalb weniger Wochen, durch ihre eigene Kraftanstrengung, ohne eine Stunde Nachhilfe, auf die Realschule wechseln. Auch der Autor Rainer Stadler kommt zu dem Schluss:

„Gegen alle Prognosen von Experten sind die Brüder nicht verwahrlost, sondern haben ihren Platz in der Gesellschaft gefunden und machen einen äußerst zufriedenen Eindruck.“

FAS-Kinder lernen selbstbestimmt das, was „gerade dran ist“

Auch an der Freien Aktiven Schule (FAS) wird – innerhalb des vorgegeben Schulrahmens – genau dieses freie Lernen praktiziert. Die Kinder entscheiden selbst, was sie wann tun und lernen möchten. Die Jüngeren entscheiden das meist recht spontan oder tageweise; die etwas Älteren stellen sich ihren eigenen Wochenplan zusammen. So gibt es kreative Phasen, in denen die Kinder und Jugendlichen intensiv basteln, bauen, Projekte mit einander entwickeln und bearbeiten. Oder sie üben an einem Vormittag ganz vertieft Bruchrechnen, um sich danach über die Rechte von Mädchen und Jungen zu unterhalten und sich anschließend beim Fußball auszutoben. Durch vielfältige Erlebnisse und Begegnungen bildet sich ein reichhaltiges und ganzheitlich gespeistes Erfahrungsnetz. Dieser Erfahrungsschatz stellt die wertvollste Grundlage für jedes weitere „Lernen“ dar. Egal ob das Lernen nun auf informelle Art oder als bewusstes Erarbeiten eines bestimmten Themengebietes statt findet. Der lernende Mensch greift dann immer wieder im Lauf seines Lebens auf dieses erworbene Erfahrungsnetz zurück.

In den letzten Jahren der Tertia, wenn sich die Jugendlichen dann gezielt auf ihre externen Schulfremdenprüfungen vorbereiten, holen die allermeisten (manche) Wissenslücken, die sie gegenüber den Regelschulkindern haben, in recht überschaubarer Zeit auf. Eine große Anzahl der FAS-Jugendlichen besteht die Prüfungen mit guten Noten – weil sie sich aus eigenem Antrieb fürs Lernen des benötigten Stoffs entschieden haben.

Es kommt also nicht unbedingt darauf an, wo man lernt – ob mit oder ohne Schule. Auch nicht, was man zu welcher Zeit lernt. Sondern es kommt vielmehr darauf an, dass man das lernt, was einen interessiert. In einer Umgebung, die stressfreies Lernen und persönliche Entfaltung ermöglicht. Mit dem entsprechenden Ziel vor Augen, kann man sich vieles an Wissen, das für einen Abschluss oder für das Arbeitsleben nötig ist, in dem Moment aneignen, in dem es „dran“ ist.

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