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Was ist los mit der Ananas? – Angebote an der FAS

Was ist los mit der Ananas? - Angebote an der FAS

An der Freien Aktiven Schule Stuttgart (FAS) gibt es keine Schulstunden. Statt dessen können die Kinder täglich zwischen unterschiedlichen Lern-Angeboten aussuchen, was sie interessiert. Bei unserer letzten Hospitation war ich sehr gespannt auf eines der Primaria-Angebote ‚Was ist los mit der Ananas?‘. Da ich ein neugieriger Mensch bin, musste ich mir das unbedingt anschauen! Offensichtlich hat der Titel des Angebots nicht nur mich fasziniert, denn es tummelten sich etwa zehn Kinder um den Tisch mit der Ananas.

Wie sehen Angebote an der FAS aus?

Eine wichtige Grundlage der pädagogischen Arbeit an der FAS ist die ‚vorbereitete Umgebung‘ – zusammengestellt aus didaktischem Material nach Montessori, den zum Bildungsplan Baden-Württemberg gehörenden Lehrmaterialien sowie unstrukturiertem Material. Erwachsene und Kinder machen Angebote ihrer Wahl, welche die Kinder wiederum freiwillig nutzen können. Für jüngere Kinder geht es vor allem darum, eine Basis zu schaffen: Es wird gelernt durch Begreifen der Dinge und Vorgänge.

Materialien für Mathematik-AngeboteIn diesem Fall waren vorbereitet:

  • Eine Ananas
  • Diverse Instrumente zum Wiegen und Messen
  • Schüsseln
  • Messer
  • Papier
  • Stifte

Der Bildungsplan in Baden-Württemberg sieht für die ersten beiden Klassen in Mathematik vier Themen vor:

  1. Zahlendarstellungen und Zahlenbeziehungen verstehen
  2. Sich im Zahlenraum orientieren
  3. Größenvorstellungen anbahnen und entwickeln
  4. Aus einfachen Situationen Daten erfassen und darstellen

Mit Hilfe einer Ananas können – erstaunlicherweise – drei der vier Bereiche problemlos abgedeckt werden.

Mathematik mit der Ananas kann so einfach sein

Nach einem kurzen Abstecher in die Naturkunde (Was ist das für eine Pflanze, wo wächst sie und welche klimatischen Begebenheiten herrschen dort?) startete der eigentliche, mathematische Teil des Angebots.

Die Kinder durften schätzen, was die Ananas ungefähr wiegt und haben sich ihre Schätzungen notiert. Im Anschluss wurde mit Gewichten und einer Waage das tatsächliche Gewicht der Ananas ermittelt. Wer lag mit seiner Schätzung richtig, wer komplett daneben? Im zweiten Schritt schätzten die Kinder, wieviel Gramm der Ananas essbar sind und wieviel der Abfall wiegen wird. Die Ananas wurde zerteilt und in zwei Schüsseln sortiert. Das Gewicht der Schüsseln musste beim Wiegen beachtet und vom Ergebnis subtrahiert werden. Bei der Überprüfung der Summe der beiden Zahlen fehlten erstaunlicherweise einige Gramm zum ursprünglichen Gewicht der Ananas. Die Gruppe hat Ursachenforschung betrieben und zwei Fehler gefunden: Zum einen ist Saft beim Schneiden auf den Tisch gelaufen, zum anderen ist das eine oder andere Stück Ananas bereits in den Mund gewandert…

Und was nehmen die Kinder nun mit?

Mit Hilfe der Ananas haben die Kinder Zahlbeziehungen verstehen gelernt, Größenvorstellungen im Bereich Gewichte entwickelt und Erfahrungen gemacht beim Sammeln von Daten. Die gewonnenen Erkenntnisse helfen bei der Bewältigung und Strukturierung des Alltags. Die Auseinandersetzung mit den gewonnenen Informationen befähigt sie, Situationen aus ihrem Alltag wahrzunehmen.

Für mich war es eine tolle Erfahrung zu sehen, wie man mit einfachen Mitteln anschaulichen und einprägsamen Mathematikunterricht gestalten kann. Die Kinder waren bei der Sache dabei, hatten Spaß und durften am Ende das Unterrichtsmaterial essen. Auf diese Art und Weise könnte man sich durch einen kompletten Obstladen arbeiten.

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